Flora und Fauna

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Nebelwald im Naturschutzgebiet Chelemhá.

Quetzal

Quetzal im Nebelwald von Chelemhá.

howler monkey

Guatemala-Brüllaffen (Alouatta pigra) in Chelemhá.

Die Yalijux Berge unterliegen einem intensiven, von der Karibik beeinflussten Niederschlagsregime. Bis zu 4000 mm Regen fallen im Jahr. Durch die Höhenlage in der Kondensationszone filtert der Wald zusätzlich eine große Wassermenge aus den Wolken, was die Hauptcharakteristik von Nebelwäldern ist (Richards 1995). In Chelemhá ist dieser Vegetationstyp in seiner ursprünglichen Ausbildung zu sehen. Der Nebelwald von Chelemhá ist ein immergrüner, sehr feuchter Laubwald, dessen Bäume eine Wuchshöhe von bis zu 30 m erreichen.


Der Nebelwald von Chelemhá verkörpert das, was sich viele Europäer unter "Urwald" vorstellen. Ein beeindruckend chaotisches Grün, in dem eins über dem anderen wächst. Gigantische Bäume sind fest verankert im Boden. Deren Äste und Stämme werden überwuchert von Lianen und Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). Die überaus üppige Entwicklung von Aufsitzerpflanzen (Moose, Farne, Orchideen, Bromelien u.a.) ist kennzeichnend für tropische Nebelwälder. Auf mächtigen Ästen bilden diese Pflanzen regelrechte Gärten, welche ihre Wirte mit einer tonnenschweren Last beladen. Charakteristische Bäume des Nebelwaldes von Chelemhá sind Eichen (Quercus spp.) und wilde Avocadobäume (Lauracaea). Im Kammbereich und an Störstellen, wie Erdrutschen, wachsen Kiefern (Pinus maximinoi). An den am meisten vom Wind beeinflussten Kammbereichen entwickelt sich ein Zwergwald, ein wenige Meter hohes Gestrüpp verschiedener Ericaceen-Sträucher. Im Unterwuchs des Nebelwaldes fallen v.a. verschiedene Arten von Baumfarnen (Cyatheaceae und Dicksoniaceae) sowie Bergpalmen (Chamedorea spp.) auf. Der Nebelwald von Chelemhá ist voller Überraschungen. Vor wenigen Jahren wurde von Dr. Harald Förther sogar ein übermannshoher Strauch aus der Familie der Gesneriaceae entdeckt und als Solenophora schleehaufii beschrieben (Weigend & Förther 2002), welcher bis dahin der Wissenschaft unbekannt war.


Die faszinierende Tierwelt trägt ihr übriges zum atemberaubenden Ambiente des Nebelwaldes bei. Die wohl auffälligsten und charakteristischsten Tiere von Chelemhá sind die Guatemala-Brüllaffen (Alouatta pigra) und der Quetzal (Pharomachrus mocinno).


Auch Top-Prädatoren leben im Nebelwald von Chelemhá. Fußabrücke und Kot von Großkatzen wie dem Puma (Puma concolor) werden regelmäßig vom lokalen Team des PROEVAL RAXMU Vogelmonitoringprogramms gefunden.


Der Quetzal ist Guatemalas Nationalvogel, dennoch haben die meisten Guatemalteken diesen Vogel nie gesehen. Er lebt ausschließlich in den abgelegenen Bergnebelwäldern. Nur dort wachsen wilde Avocadobäume (Lauraceae), dessen Früchte einen hohen Anteil im Nahrungsspektrum einnehmen. Der Quetzal besetzt eine Schlüsselfunktion in der Verbreitung dieser Baumarten.


Der Quetzal gehört zur Familie der Trogone (Trogonidae). Er gilt als die wohl spektakulärste Vogelart des Kontinents. Ausgewachsene Männchen tragen extrem verlängerte Oberschwanzdecken. Diese Schmuckfedern erreichen eine Länge von fast einem Meter. Vor allem während der Brutzeit führen die Quetzalmännchen spektakuläre, wenige Sekunden dauernde Balzflüge aus. Aus den Bäumen im Kammbereich der Berge steigen die Männchen mit ihrem quackernden Flugruf im welligen Flug nach oben, um dann im Sturzflug aus dem Himmel wie ein grüner Blitz wieder in den Kronen zu verschwinden. Bei der Brut und Versorgung der meistens zwei Jungen wechseln sich die Geschlechter ab. Nach der Brutzeit führen die Quetzale Wanderungen in tiefer gelegene Bereiche der Gebirge aus.


Nicht nur die beiden "Vorzeigearten" machen Chelemhá zu einem interessanten und bedeutenden Gebiet. Die Nebelwälder Mittelamerikas wurden als hotspots der Biodiversität und Zentren von endemischen Arten identifiziert (Bibby et al. 1992). Vögel wie der Schwarzkehlhäher (Cyanolyca pumilo), der Schluchtenguan (Penelopina nigra), die Grünkehlnymphe (Lampornis viridipallens) und der Blaukehlmotmot (Aspatha gularis) leben ausschließlich in den Bergen des nördlichen Mittelamerikas. Der Nebelwald von Chelemhá ist Lebensraum für 16 dieser Arten. Der Nebelwald der Yalijux Berge ist außerdem Rückzugsgebiet von Vogelarten, welche in der Roten Liste der weltweit gefährdeten Arten aufgeführt sind, wie Schluchtenguan, Rosenwaldsänger (Ergaticus versicolor), und Goldwangen-Waldsänger (Dendroica chrysoparia), ein Wintergast aus Texas.


Vögel sind die wohl am besten erforschte Tiergruppe weltweit, so dass derartige Angaben gemacht werden können. Aber wie viele endemische Insekten, Spinnen, Würmer und Schnecken leben in Chelemhá? Wie viele von der Wissenschaft bisher nicht beschriebene Arten der Nebelwald beherbergt, ist ungewiss. Es ist bekannt, dass sich hoher Endemismus in verschiedenen Artengruppen auf die selben Gebiete konzentriert (Bibby et al. 1992). Der Wert des Nebelwaldes für den Erhalt der weltweiten Biodiversität ist unschätzbar. Der Schutz des Gebietes ist daher eine Verpflichtung der Menschheit.


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Ensifera. Diplopoda. Scarabaeidae Norops Junger Guatemala-Brüllaffe Fußabdruck des Pumas

Quellen


Bibby, C. J., N. J.Collar, M. J. Crosby, M. F. Heath, C. Imboden, T. H. Johnson, A. J. Long, A. J. Stattersfield, & S. J. Thirgood (1992): Putting biodiversity on the map: priority areas for global conservation. International Council for Bird Preservation, Cambridge, UK.


Richards, P. W. (1996): The tropical rain forest. Cambridge University Press, Cambridge.


Weigend, M. & H. Förther (2002): A revision of the Central American genus Solenophora (Gesneriaceae). Harvard Papers Bot. 7: 37-78.

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